pirmin uttinger

ein Zuger Stadtoriginal

Kaum bemerkt hat uns Pirmin Uttinger am 1. Mai 2004 verlassen.
Pirmin Uttinger wird jedoch weiterleben - seine Originalität, seine Offenheit, seine Spontaneität bleiben in den Köpfen vieler Zugerinnen und Zuger haften. Unzählige Anekdoten und Geschichten um unsern Hasenbühler liessen sich zusammenstellen. Pirmin war kontaktfreudig und vielen Menschen vertraute er seine Sorgen und Nöte an.

Bauer mit Matura
Pirmin wurde am 6. Juni 1918 in Zug geboren und wohnte seit 1938 auf dem Hasenbüel. Das Hasenbüel war zeitlebens sein Stolz. Er war der Sohn des Forstingenieurs Walter Uttinger und der Rosa Zürcher, deren Vater die Zuger Nachrichten gegründet hatte. Pirmin, und seine Schwestern Melanie und Paula besuchten in Zug die Schulen. Nach der Volksschule trat Pirmin in das Kollegium Schwyz ein, wo er 1938 die Matura bestand. Doch studieren wollte er nie. Die Umstände zwangen ihn kurz vor dem Weltkrieg seine Familie finanziell zu unterstützen. Aus diesem Grunde arbeitete er während der "Anbauschlacht" des 2. Weltkrieges auf verschiedenen Bauernhöfen. Pirmin sagte immer wieder : "Ich bi eifach mit em Bode starch verbunde". Pirmin setzt sich auch bei den 4/48 im Aktiv-dienst für unser Vaterland ein. Noch im Jahre 1944 stand er im untersten Tessin an der Grenze. Pirmin blieb zeit-lebens Junggeselle, obwohl er immer wieder von einer Familie und von Nachkommen träumte.

Er stamme vom bekannten Landammann Georg Josef Sidler ab. 1998 bei der Ausstellung in der Burg über Landammann Sidler war Pirmin oft anwesend und ergänzte die Geschichte über den Landammann auf seine Weise. Mit stolz erwähnte er immer wieder, dass Georg Josef Sidler ebenfalls das Hasenbühl bewohnt habe.

Wallfahrt mit Pferd "Hansi"
Pirmin Uttinger liebte die Tiere, die Pflanzen und die herrliche Landschaft. Er bezeichnete sich als Bauer, der seiner Scholle treu blieb. Auch war er stolz auf seine Märzenglocken. Pirmin war sich bewusst, mit Jauche und Dünger würden diese Frühlingsboten nicht mehr wachsen. Für ihn waren deshalb die Blumen wichtiger als ein grösserer Ertrag. Jährlich im Frühjahr beglückte er jene, die ihm wohl gesinnt waren mit einem Strauss seiner Blumen. Pirmin hatte erfolgreich vier Jungpferde aufgezogen. Besonders liebte sein Pferd "Hansi", welches gegen 30 Jahre an seiner Seite stand über alles. Mit ihm ist er oft durch den Kanton geritten. Ja manchmal wagte er sogar die Wallfahrt nach Einsiedeln auf dem hohen Sattel. Oft war er auch mit Pferd und Wagen in der Stadt Zug anzutreffen. Ich erinnere mich, wie Pirmin an den autofreien Sonntagen anfangs 1973 mit der Jugendgruppe "Peacehorse" Ausflüge auf den leeren Strassen unternahm. Auch begleitete er als gewandter Kutscher mit Ross und Wagen die Jugendgruppe "Peacehorse" an den Chröpfelimee-Sonntagen von Paar zu Paar. Ja Pirmin wusste mit den Jugendlichen und mit den Menschen, die ihn verstanden umzugehen.

Ungerechte Einweisung in eine Anstalt
Als Ende der 70-er Jahre mit der Errichtung der Mobagblöcke einen grossen Teil der Gimenen überbaut wurde, verstand Pirmin die Welt nicht mehr. Der Verlust von herrlichstem Land, das Wegbaggern der Märzenglocken, und die vielen Veränderungen taten ihm weh. Sein Ziel war es, wenigstens das Hasenbühl zu erhalten. Unzählige Male erzählte er von der unglücklichen Erbteilung. Wie er seinem Vater versprochen habe seinen Schwestern der Bau eines Eigenheimes zu ermöglichen. Auf keinen Fall wollte er das Überbauen seines ganzen Gutes. Er erzählte auch, wie unglücklich er über den Aufteilungsvertrag war, der ihm nur noch einen Landstreifen entlang des Waldes mit der kleinen Scheune zusicherte. Das Hasenbühl gehörte ihm plötzlich nicht mehr. Einige Zeit musste Pirmin sogar im Heu in seiner Scheune hausen. In dieser Zeit vernachlässigt er zeitweise auch seine geliebten Tiere. Die unglücklichste Zeit seines Lebens war der Lebensabschnitt seiner "Vertreibung" aus dem Hasenbüel. Pirmin wurde 1976 gegen seinen Willen ins bündnerischen Beverin "verpflanzt". Robi Bisig der spätere Regierungsrat und ich fuhren damals nach Beverin, sprachen mit den Ärzten der Klinik und haben auf die rechtliche Problematik dieses Abschiebens hingewiesen. Pirmin konnte daraufhin die Anstalt bald wieder verlassen. Eine Zeitlang arbeitete er danach bei einem Bauern auf dem Steinerberg. Das Heimweh nach seinem geliebten Hasenbühl war gross. Er war deshalb sehr glücklich als eine seiner Schwestern ihm wieder erlaubte, ins Hasenbühl zurückzukehren. Von nun an durfte er wieder im vertrauten Hause wohnen. Nach seiner Rückkehr war die Umgebung des Hauses feinsäuberlich aufgeräumt. Sein "Horten" von Gegenständen, die er irgendwann wieder brauchen konnte, war damit ein vorläufiges Ende gesetzt. Pirmin sammelte jedoch weiter. Er hatte immer Pläne, was er in seinem Paradies noch alles verändern wollte. Schon bald sah es um das Hasenbühl wieder so aus wie vor der Räumung. Holzbeigen, alte Wagen, Beigen von Steinen und Balken, die zum Teil mit Gestrüpp überwuchert waren, boten Unterschlupf für manche Tiere. Pirmin fühlte sich wohl in dieser seiner Umgebung.
Pirmin war kein Mensch von der Stange.

Als markanter Redner an Versammlungen
Weder Uhr noch Telefon benötigte er für sein Leben. Er orientierte sich an den Glockenschlägen der Kirchen und war deshalb stets pünktlich an den Versammlungen der Korporation und der Bürgergemeinde. Hier konnte er öffentlich seine Meinung kundtun und sich äussern an all dem, was ihn ärgerte. Pirmin war stets gegen neue Ein-bürgerungen, weil er meinte, unser Land könne die vielen Menschen nicht mehr aufnehmen und ernähren. Auch fürchtete er den weiteren Verlust von Landwirtschaftsland. Trotzdem pflegte er viele gute Kontakte auch zu Menschen, die bereits integriert waren. Gerade der Balkan und seine Geschichte begeisterte ihn sehr.
Immer wieder äusserte er sich auch in Leserbriefen und versuchte so seine Meinung kund zu tun. Der Tod von Pirmin wird man künftig an den Korporations- und Bürgerversammlungen spüren. Seine originellen Auftritte wa-ren seit Jahren Tradition und seine Voten liessen manchem Mitbürger, der sich selber nicht getraute das Wort zu ergreifen, zu einem bejahenden Schmunzeln verleiten. Ich erinnere mich, wie Pirmin mit seinen bald 86 Jahren unter Protest den Saal verliess, weil seine Meinung nicht durchkam. Am anschliessenden Aperitif war Pirmin jedoch wieder zugegen, und er diskutierte mit Bekannten.
Erfolg innerhalb der Korporationsgemeinde hatte Pirmin mit seinem Vorstoss zur Neugestaltung des Alpengartens beim Zuger Alpli. Noch heute erinnert dort eine Gedenktafel an Pirmins Engagement.

Ohne Strom und Telefon
Das Hasenbühl hatte auch seit Jahren keinen Stromanschluss mehr. Die Stromrechnung schien Pirmin jeweils zu hoch. Trotz Besitz von WWZ-Aktien hat er auf die Annehmlichkeiten der elektrischen Energie verzichtet. Er heizte und kochte mit Holz aus dem nahen Fridbachtobel. Pirmin zersägte die Bäume noch von Hand. Pirmin war stets mit seinem Fahrrad unterwegs. Oft kam er hinunter nach Oberwil. Auch ohne Uhr verstand er es, uns jeweils kurz vor den Essenzeiten aufzusuchen. Oft sass er an unserem Tisch und erzählte von interessanten vergangenen Zeiten. Er schätzte die Tischgemeinschaft und ein warmes Essen.
Pirmin lebte einfach und zufrieden. Sein Lebensziel war der Erhalt seines geliebten Hasenbüels. Werden seine Verwandten dieses herrliche Patrizierhaus erhalten und so Pirmins Traum respektieren? Dies wird die Zukunft zeigen.

Dank
Pirmin wird weiterleben, in all den Menschen, die sich an seiner Originalität erfreut haben. Ich vermisse seine leuchtenden Augen in seinem "verstrubbten" Gesicht.
Danke Pirmin für dein Dasein in unserer geliebten Stadt - du hast unsere Stadt auf deine Art "reicher" gemacht!

Aus der Zugerpresse
von Andreas Bossard, Stadtrat

Mit Hansi dem Pferd

Werken, von Hand...

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